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Herzruf E.H.

Herzruf

Fuchs, unreg.Bl.i.bd.Nüst., r.Vfsl, l.Hf. unreg.w.
geb. 19.06.1987

Maße in cm:

  Stockmaß Brustumfang Röhre
2½ jährig 168 198 21.8
volljährig 173 22

Züchter:
Veronika von Schöning, Gestüt Klein Sallentin, Neversfelde
Aufzüchter:
Veronika von Schöning, Gestüt Klein Sallentin, Neversfelde

Gekört 1989 Hengstmarkt Neumünster

Pedigree

Königspark xx, F. 1979 Prince Ippi xx, B. 1969 Imperial xx, 1960 Imi xx
Hurry xx
Princess Addi xx, Sch. 1955 Agamemnon xx
Pindarella xx
Kleine Ballerina xx, F. 1973 Ballymoss xx, F. 1954 Mossborough xx
Indian Call xx
Königin Olga xx, B. 1960 Orator xx
Königswiese xx
Herzchen PS/SPS/ES, F. 1977 Ginster, Sch. 1972 Pregel, Sch. 1958 Tropenwald
Peraea
Guda, B. 1963 Hansakapitän
Gundel
Herbstblüte, R. 1959 Komet, R. 1952 Goldregen
Kokette
Herbstzeit, R. 1942 Bussard
Herbstzeitlose

Hengstlinie des Königspark xx / Bay Ronald, Stutenfamilie der T14O3 Herbstblüte (v.Schöning, Neversfelde)

Eigentümer

1987-1990: Veronika von Schöning, Gestüt Klein Sallentin, Neversfelde
seit 1990: Dr. Beate Ackermann

Stationierung

1990: Privatbeschäler Neversfelde (v.Schöning) Schleswig-Holstein
1991-1999: Privatbeschäler Kreuztal (Manfred Arlt) Westfalen
2000-2001: nicht gedeckt
2002: Leihhengst Warendorf (Haese) Westfalen
2003: nicht gedeckt
2004: Privatbeschäler Rustorff (Dr. Ackermann) Bayern
seit 2005: Privatbeschäler Pfarrkirchen (Josef Bachl) Bayern

Eigenleistungen

Hengstleistungsprüfung 1990 Warendorf

Charakter: 9,0 Schritt: 9,33 (T 9,0)
Temperament: 9,0 Trab: 8,67 (T 9,0)
Leistungsbereitschaft: 9,0 Galopp: 8,33 (T 8,0)
Leistungsfähigkeit: 8,0 Springanlage: 9,0 (T 9,0, FS 9,5)
Rittigkeit: 10,0 (T 9,0) Geländeprüfung: 9,0
Rittigkeitsindex: 144,82 Springindex: 145,49
Gesamtindex: 149,67 (1/19) Leistungsklasse:

Turniersporterfolge:
in Dressur bis M, im Springen bis A


Nachzucht

Exterieur:
Anzahl Töchter Typ Oberkörper Fundament Schritt Trab Galopp Gesamt-
eindruck
Gesamt-
zuchtwert
Widerrist-
abweichung
48 112 121 122 126 94 136 126 126 0,3


Gekörte Söhne (2): Payano, Linné

Töchter (49): PS/SPS Mon Bijou, PS/SPS Kandida VI, PS/SPS Naomi II, PS/SPS Kielia,
PS Nadesch, SPS Nadja, u.a.

Nachkommen im Sport:
Eingetragene Turnierpferde: 133
davon mit Platzierungen: 28 (in 2006)
davon in Klasse M. und S.: 14

Herzruf

Der kapitale Fuchs Herzruf dürfte das beste Fohlen der wahrlich in der Zucht hoch erfolgreichen Elitestute Herzchen sein – und das will schon was heißen! Dabei hätte er seine damals zehnjährige Mutter bei der Geburt fast umgebracht, so groß war das Fohlen, das in einer Juninacht 1987 im Gestüt Klein Sallentin im schleswig-holsteinischen Neversfelde auf die Welt kam.

Was für ein erstklassiges Hengstfohlen der Fuchs mit dem einen weißen Bein war, das war der erfahrenen Züchterin schnell klar. Da nahm es nicht Wunder, dass Herzruf den Körplatz Neumünster 1989 im Prämienlot verließ. Das Urteil der Kommission lautete wie folgt: „Ein mit viel Kaliber und Stärke ausgestatteter Sohn des Vollblüters Königspark. Im deutlichen Rechteckformat stehen; könnte in der Mittelhand etwas geschlossener sein. Etwas hart im Gesichtsausdruck; gut geformt in Hals und Sattellage; starkes Fundament, große Gelenke und großer Huf. Linkes Hinterbein leicht zehenweit gestellt; kraftvoller Bewegungsablauf mit gutem Antritt.“

Herzruf, schon als Fohlen groß – wie später auch viele seiner Kinder –, präsentierte sich auf der Körung mit 1,68 m Stockmaß und wuchs noch auf 1,73 m Endstockmaß. Er führt 50 Prozent Vollblut über den Vater, von der Mutterseite her viel konsolidiertes Hauptgestütsblut mit etwas arabischem Einfluss über Per Adresse und Lateran (Fetysz ox) sowie über Cancara, der mit Master Magpie xx und Nana Sahib x englische und arabische Blutelemente einbringt. Als Mutterlinie steht der mit seinen Verdiensten legendär gewordene Herbstblüte-Zweig der Trakehner Herbstzeit-Familie. Herzrufs Pedigree könnte man fast als outcross bezeichnen, nur Bussard tritt in 4. und 5. Generation je einmal auf.

Veronika von Schöning ritt ihren Junghengst selbst an und bereitete ihn – u.a. mit ein paar Siegen in Materialprüfungen und dem 6. Platz im Bundeschampionat – optimal auf seine nächste Aufgabe vor: den 100-Tage-Test, den er dreijährig in Warendorf ablegen sollte. Und genau hier erregte der Hengst nun endlich wirklich Aufsehen. Nicht nur, dass er in der Hochburg der westfälischen Warmblutzucht sämtlichen Konkurrenten die Hintereisen zeigte – nein, es war die Art und der Abstand zum Rest des Feldes … 9,5 im Freispringen, die Rittigkeit bei allen drei Fremdreitern in seltener Einigkeit 10,0 – das reichte nicht nur für einen Sieg in beiden Teilbereichen, sondern sorgte für einen bis dato noch nie erreichten Gesamtindex von 149,67.

Im Rahmen des Hengstmarktes 1990 wechselte Herzruf den Besitzer – zum ersten und letzten Mal. Und auf mehr als außergewöhnliche Weise: Manfred Arlt, züchterisch auch nicht gerade ein Nobody, kaufte den Hengst unbesehen für seine Frau Dr. Beate Ackermann. Ihr gehört der „Hengst des Jahres“ 2004 noch heute, und sie würde ihn „für keinen Preis der Welt“ aus der Hand geben.

Rittigkeit und Doppelveranlagung – so könnte man die Vererbung von Herzruf auf einen kurzen Nenner bringen. Das Management seiner Besitzerin war nie darauf ausgerichtet, ihn ins sportliche oder züchterische Rampenlicht zu katapultieren. Unter ihrem Sattel lernte er Dressurlektionen bis zum St.-Georgs-Preis und gewann knappe dreitausend Euro auf Turnieren. Sicher hätte er eine richtig große Karriere machen können, sicher hätte er auch viel Geld im Parcours gewinnen können – ob er das mit derselben Gesundheit, Ausgeglichenheit und seinem prächtig-herrischen Trakehner Stolz gedankt hätte, darf man wohl bezweifeln …

So mag dem Hengst auch der ganz große züchterische Durchbruch verwehrt geblieben sein, aber die Bestätigung aus dem Munde des Zuchtleiters, der Hengst habe sich trotz einiger fehlender Zuchtjahre „durch weit überdurchschnittliche Nachzucht auf dem sportlichen Sektor überzeugend durchgesetzt“, fand entsprechenden Niederschlag mit seiner Ernennung zum Elitehengst und schließlich der Krönung zum Hengst des Jahres 2004.


DER VATER

Der selbst großrahmige und auch groß vererbende Röttgener Königspark xx deckte nur wenige Saisons, bevor eine Darmverschlingung seinem 12-jährigen Leben 1991 ein Ende bereitete. Er war Holsteiner Verbandsvererber und deckte 1989 bis 1991 im Gestüt Rantzau. Königspark xx ging 2- bis 5-jährig in 27 Rennen an den Start, von denen er sechs gewann. 14 Plätze vervollständigen seine Bilanz, die für ein höchstes GAG von 89,0 kg sorgte. Bei seiner Körung 1985 beschrieb der Zuchtleiter den Fuchs wie folgt: „Stärke, verbunden mit einem großen Rahmen. Auffallend große und schräg liegende Schulter und markante Sattellage, guter Antritt und Raumgriff wie Geschmeidigkeit in allen drei Grundgangarten.“

Seinen Fohlen bescheinigte der Trakehner Verband im Jahr seines Todes Frohwüchsigkeit „mit viel Bedeutung und enormer Übersetzung im Bewegungsablauf. In der Formation des Hinterbeines bleiben zuweilen Wünsche offen. Man darf auf die Weiterentwicklung seiner Nachkommen gespannt sein.“

Königsparks Vater Prince Ippi vertrat die schmale Hengstlinie des Bay-Ronald-Enkels Gay Crusador, die in England, Irland und Frankreich bereits ausgestorben war, aber im Osten, vor allem in Ungarn, zu Prince Ippis Rennzeit in großer Blüte stand. Prince Ippi galten nach Ende seiner Rennkarriere einige Hoffnungen auf die Wiederbelebung dieser Linie in Deutschland und den westlichen Ländern. Von Imperial, der als guter Vererber galt, zog das Gestüt Röttgen aus einem Mutterstamm, der ebenfalls noch nicht lange bodenständig im Gestüt war, den braunen Prince Ippi. John Aiscan beschreibt ihn als „gut aussehenden Hengst mit guter Oberlinie und gut gelagerter, schräger Schulter. Er steht vorn rechts geringgradig zehenweit. Er hat gute, starke Sprunggelenke.“

Er lief 2- bis 4-jährig, ging aber nur in insgesamt 14 Rennen an den Start – eine für sein Heimatgestüt geradezu lächerliche Bilanz. Seine Rennleistung litt sehr unter seiner schwankenden Form. Als Dreijähriger etwa zeigte er nicht viel im Großen Hertie-Preis und im Union-Rennen, präsentierte sich dann am Derby-Tag als stark verbessertes Pferd und belegte einen sehr guten dritten Platz, nur um im Aral-Pokal wieder zu enttäuschen. Im Preis von Europa war er die große Überraschung und gewann überlegen mit nicht weniger als sieben Längen gegen den gut laufenden Derbysieger Tarim. Auch mit seinem bemerkenswerten Erfolg als 4-Jähriger im Gran Premio d’Italia, wo er in einem international starken Feld einen guten Card King schlug, dem er im Rennen zuvor unterlegen war, hätte Prince Ippi in seinem letzten Rennen, dem Aral-Pokal, mehr zeigen müssen.

Königsparks Mutter Kleine Ballerina erzielte 2- und 3-jährig vier Plätze in Rennen und wurde im Gestüt Mutter von acht Siegern, darunter Klavigo v. Wauthi, Kleine Sterna v. Star Appeal und der 16-fache Sieger Karlo v. Lord Udo. Ihre beste Tochter dürfte Königsparks Vollschwester Kassiopeia sein. Sie galt 1980 als eine der besten 2-Jährigen Deutschlands, erzielte auf der Bahn zwei Siege und sieben Plätze, darunter ein 2. Platz im Zukunftsrennen, ein 3. Platz im Preis der Winterkönigin und ein 4. Platz im Schwarzgold-Rennen. Als Mutter tat sie sich mit Kalinikta v. Königsstuhl, der Mutter des Kallisto, Klasse v. Aspros, Kiwi v. Wauthi und Kassino v. Orofino hervor.

16 Töchter blieben der Trakehnerzucht von diesem imposanten Vollblüter Königspark xx erhalten, darunter Shira a.d. Scherezad v. Marsuk ox, die einst als Auktionsfohlen in Neumünster in den Besitz von Olympia-Vielseitigkeitsreiter Ralf Ehrenbrink kam. Shira ist Mutter des S-Dressurpferdes Savoy v. Matador, der Shakira v. Biotop, Jahressiegerstute 2002, und der Scarlett v. Biotop, Preisspitze der Stutenauktion Neumünster 2004. Die Staatsprämienstute Inka XXVII brachte die beim Hengstmarkt 2000 für 20.000 DM nach Großbritannien zugeschlagene Auktionsstute Inaara v. Friedensfürst.

Kleine Hexe v. Königspark xx a.d. Donauhexe v. Habicht, holsteinisch gebrannt und Elitestute des Bayerischen Zuchtverbandes, Id-Preisträgerin der Bundesstutenschau 1997 in Neustadt/Dosse, steht in der bayerischen Landeszucht und brachte die ZLF-Siegerstute und Reservesiegerstute der Landesschau 1996, Dalina v. Donnerhall, das in Griechenland erfolgreiche Dressurpferd Donautraum v. Hohenstein und den in München-Riem 2001 gekörten und inzwischen in die USA verkauften Hengst Dux v. Donnerhall. Dalina stellte bei der Frühjahrskörung der Süddeutschen Zuchtverbände in diesem Jahr einen prämierten Junghengst v. Fürst Piccolo.

Schlodien II v. Königspark xx a.d. Scharade II v. Magnet und damit aus näherer Verwandtschaft zu Shira, ist Mutter des gekörten Schenkendorf v. Topki, mittlerweile nach Großbritannien verkauft, und der bayerischen ZStE-Siegerin von 2006, Sechserben v. Connery.

Seine Gene erhält Königspark xx in männlicher Linie nur über seinen elitären Sohn Herzruf. Donaukönig, ein mächtiger Dunkelfuchs a.d. Domina v. Habicht, war ebenfalls gekört, scheiterte aber an seiner Leistungsprüfung, wurde gelegt und ging für viel Geld über die PSI-Auktion. Heute, mit 18 Jahren, geht der in Dernier Cri umgetaufte Königspark xx-Sohn noch immer frisch im Dressursport bis Intermédiaire I unter der jungen Sina-Christina Joesten.

Obschon Königspark xx häufig als ausgezeichneter Buschpferdevererber gelobt wird, stehen nur zwei seiner Trakehner Kinder mit Erfolgen bis Klasse L im Gelände bei der FN zu Buche: Königssee a.d. Karotte II v. Flaneur und Sam, ein Vollbruder der Schlodien II. Mehr Erfolge waren Trakehner Kindern dieses Vollblüters im Dressursport vergönnt. Neben dem bereits erwähnten Dernier Cri und Herzruf selbst haben Lumiere a.d. Libelle XXVIII v. Wolter, Königspark S a.d. Lorna II v. Mazagran und Terrabaltic Power a.d. Polarglut v. Heimdal Erfolge bis zur Klasse M.


DIE MUTTER

Herzrufs Mutter Herzchen ist eine Stute, für die alle bisher gebräuchlichen sprachlichen Superlative versagen. Nicht nur, dass sie selbst Verbands- und Staatsprämie sowie Elitetitel trug; nicht nur, dass sie Mutter von zwei gekörten Hengsten und vier Prämienstuten sowie Groß- bzw. Urgroßmutter von vier weiteren gekörten Hengsten ist; nicht nur, dass sie auf zahlreichen Schauen hoch prämiert wurde; nicht nur, dass sie – die selbst als Zwilling auf die Welt kam – in direkter weiblicher Linie eine der wertvollsten Stutendynastien des Hauptgestüts verkörperte und ebenso wie ihre Mutter, die einen eigenen Zweig der Familie ihrer Mutter gründete, wohl dereinst selbst als Gründerstute eines Familienzweigs gelten wird; nein, Herzchen war auch von Persönlichkeit und Ausstrahlung her die „Stute des Lebens“ für eine der größten und erfolgreichsten Trakehner Züchterinnen Deutschlands.

Auf konsolidiertem, erbsicherem und einflussreichem Trakehner Rappenblut der Gurdzener Herde basierte die Familie der Herbstzeit, von deren Töchtern drei eigene Familienzweige begründen konnten. Die 1959 geborene schwarze Herbstblüte v. Komet war die jüngste. Ihre Halbschwestern Herbstgold v. Totilas und Herbstlicht v. Semper Idem begründeten im Gestüt Panker eigene Dynastien, ihre Halbschwestern Herrlichkeit und Herbstsonne, beide v. Totilas, gingen nach Argentinien. Herbstblüte, sicher im Auftreten etwas schlicht, aber von ausgeprägter Mütterlichkeit, wuchtig und tief, mit mühelos leichten, von Raumgriff und Energie geprägten Bewegungen und vor allem mit hohen Rittigkeitswerten, hatte sich bald ins Herz von Veronika von Schöning geschlichen. Sie war von Schönings Kindern verständnisvolles Lehrpferd und brachte dem Gestüt Klein Sallentin 15 Fohlen, die großteils von ihren Vätern geprägt waren. Zu ihren besten Kindern zählen die gekörten Söhne Herbstmorgen v. Index und Herbsttanz v. Tannenberg, das S-Dressurpferd Herbstwind v. Unkenruf und wohl ein halbes Dutzend selbst wieder in der Zucht erfolgreiche Töchter.

Einen liebevoll umsorgten Lebensabend verbrachte Herbstblüte bei Pius Harlacher in Rheinhausen, wo ihre letzte Tochter Herbsttochter v. Unkensee die Rolle der berühmten Mutter nach ihrem Ausscheiden übernahm. Als zweifache Hengstmutter, Erzeugerin jeweils zweier Prämienstuten und bis M bzw. S erfolgreicher Dressurpferde wurde Herbstblüte als eine der ersten Stuten mit dem Elitetitel ausgezeichnet.

Wie die meisten Herbstblüte-Kinder hatte auch Herzchen in ihrem Erscheinungsbild weit mehr Anklänge an die Vaterseite als an die mütterliche Familie. Ihr Vater Ginster, ein Pregel-Sohn von erstaunlicher Masse und viel Kaliber, vermachte ihr über Tropenwald das große Erbe der edlen Trakehner Fuchsherde – und genau so stellte sich Herzchen auch dar. Bei mittlerer Größe in fast idealer Weise konstruiert, hätte die Stute sicher auch im Sport ihren Weg gemacht. So blieb das Parkett der großen Zuchtschauen: DLG-Ausstellung Hannover 1980, der Reservesieg bei der Bundesstutenschau 1983, die Siegerfamilie auf der Landesschau 1985 und die Reserve-Siegerfamilie zu gleichem Anlass 1994.

14 Zuchtjahre und zehn Fohlen später kann man diese Stute mit Fug und Recht zu einer der wichtigsten der Nachkriegsgeschichte rechnen. Die älteste Tochter, Herzblatt v. Seeadler, war Siegerstute der Zentralen Eintragung Schleswig-Holstein und Klassensiegerin der Bundesschau 1989 in Verden; ihr leider viel zu früh eingegangener Sohn Heinrich der Löwe v. Enrico Caruso ging unter Hauke Luther erfolgreich im Springsport bis Klasse S und erwarb sich so die Zuchtzulassung. Herzblatt setzte ihren züchterischen Einfluss in Großbritannien fort, wo einige interessante Töchter in der Zucht stehen, in Deutschland verblieb die sportlich erprobte Tochter Herz-As v. Narew xx.

Herzmaid v. Chopstick bewährte sich im Gestüt Equicon, Herzlied v. Tenor ging im ländlichen Turniersport. Besonders gut erschien die Paarung mit genügend Blut führenden Hengsten bei Herzchen zu passen; so wählte Veronika von Schöning 1986 den im Gestüt Rantzau stationierten Königspark xx. Wie gut dieser Vollblüter zu Herzchen passte, machte das Fohlen Herzruf schon bald klar – doch die dramatischen Geburtsschwierigkeiten ließen von Schöning von einer erneuten Anpaarung absehen.

High Socks v. Märchenprinz ist eine Enkelin des vor allem im Oldenburger Zuchtgebiet sehr gut eingeschlagenen Vollblüters Ecuador xx und zählt hinsichtlich Exterieur und Bewegungsqualität zum ganz Besonderen. Die – nomen est omen – auffallend gezeichnete Fuchsstute wechselte ins Gestüt Webelsgrund, ihre Tochter Hirtin v. Consul zählte zur kleinen, aber feinen Stutenherde des Gestüts Elmarshausen. Der gekörte High-Socks-Sohn Hölderlin v. Michelangelo ging nach Ungarn und hat im Vielseitigkeitssport Erfolge bis CCI** aufzuweisen.

Den Platz ihrer Mutter in der Zucht in Neversfelde hat die schwarze Herzlani v. Kostolany eingenommen. Die souveräne SLP-Siegerin scheint ihrer Mutter züchterisch kaum nachzustehen. Ihr gekörter Sohn Heinrich der Welfe v. Hohenstein sammelte Siege in A- und L-Dressuren, qualifizierte sich zweimal fürs Bundeschampionat der Dressurpferde und war unter dem Namen Highlander in M- und S-Prüfungen erfolgreich. Dem Vernehmen nach hat es ihn mittlerweile als Zuchthengst in die Ukraine verschlagen. Herzlanis Tochter Hirtennacht v. Hohenstein siegte ebenfalls bei der SLP und genießt als Mutter des Körungs-Reservesiegers Hibiskus v. Latimer große Wertschätzung.

Mit dem herrlichen Halbblüter Michelangelo v. Pasteur xx hat Veronika von Schöning schließlich die passende, blutgeprägte Anpaarung für Herzchens letzte Fohlen gefunden. Hirtenruf, Reservesieger seiner Körung, hinterließ nur wenige Fohlen, bevor er gelegt wurde – er ist heute im Dressursport bis Klasse M erfolgreich.

Herzchens Letzte war – wie der Name schon sagt – 1997 das letzte Fohlen dieser Ausnahmestute. Die mächtige Michelangelo-Tochter war Reservesiegerin der Zentralen Eintragung in Schleswig-Holstein und ging über die Stutenauktion 2002 in die Zucht von Andrea von Zitzewitz.

Wie ein roter Faden ziehen sich die wertvollen Interieurwerte der Herbstblüte-Nachkommen durch die ganze Familie. Veronika von Schöning schwärmt von „hoher Intelligenz, steter Leistungsbereitschaft und angenehmsten Reitpferdeeigenschaften“ ihrer Stute Herzchen und deren Kinder. Dr. Beate Ackermann, seit nunmehr 17 Jahren im Besitz von Herzruf, drückt es fast pathetisch aus: „Wenn man Herzruf oder einen seiner Nachkommen geritten hat, ist man für andere Pferde verdorben“. Das mag nicht ganz objektiv sein, aber von Schwärmerei ist etwa der ehemalige Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter, Martin Plewa, weit entfernt – und trotzdem war auch er stets begeistert, wenn er auf Herzruf-Nachkommen traf: „Die können einfach alles.“

Wo Herzruf – auch das analog zu seiner Stammmutter Herbstblüte – den Müttern seiner Fohlen „freie Hand“ lässt, das ist Farbe und Typ. Seinen ein wenig herben, vom Vollblut geprägten Gesichtsausdruck setzt er also nicht unbedingt durch, man kann von ihm aber nicht erwarten, dass er auf wenig typvollen Stuten Besseres erreicht.


NACHZUCHT

Bisher stehen zwei Söhne des kapitalen Halbblüters in der Zucht, der 1994 geborene Payano und der 1996 geborene Linné.

Payano aus der Zucht von Johann Stegmüller im bayerischen Feldkirchen-Westerham, der seinen Eigenleistungsnachweis im Turniersport unter dem Namen M.Real St. Payano mit Erfolgen in der Dressur bis zur Klasse S unter Terhi Stegars erbrachte, bevor er gekört wurde, ist nicht nur aufgrund dieser sportlichen Leistung ein hochinteressantes Ausnahmepferd. Seine Mutter Pikee war eine Tochter des legendären Elitehengstes Arogno aus der weitverzweigten Peggi-Familie des Gestüts Birkhausen. Ihre Halbbrüder Pommery P v. Athenagoras xx (Springen) und Private Dancer v. Caprimond (Dressur) gingen im Turniersport auf A-Ebene. Ihr Sohn Payano schickt sich gerade an, die schmale Linie des Königspark xx in der Trakehner Zucht zu erhalten. Und ihr 1991 geborener brauner Sohn Peppermint III v. Zauberklang vertrat mit seiner Reiterin Marissa Cortesi Schweizer Farben bei der olympischen Vielseitigkeit 2004 in Athen.

Von Abstammung und Eigenleistung her ist der Finnische Dressurmeister von 2004 also über jeden Zweifel erhaben – das Gebäude allerdings ließe noch einige Verbesserungswünsche offen. So darf man dann sehr gespannt auf die Entwicklung seiner ersten Fohlen sein …

Linné, ein im Auftreten und Habitus eher schlichter Brauner aus der Zucht und dem Besitz von Dr. Hans H. Becker, Capelle/Westfalen, vertritt die kleine, aber feine Stutenfamilie des Hauses Jaeschke, Fresendorf, die auf der Erbherr-Tochter Libelle basiert. Der Zweig der Libelle-Tochter Legende v. Burnus AAH ist im Elitehengst Leonardo und seinen Nachkommen noch lebendig; die Libelle-Tochter Liebelei v. Komet ist die 4. Mutter der Limona II v. Patricius xx, deren Kinder Lafayette v. Sixtus als gekörter Hengst und Lana Luna v. Able Albert xx als Preisspitze der Stutenauktion Neumünster für Furore sorgten. Lorelei v. Komet u.d. Libelle war nicht nur Mutter der beiden gekörten Hengste Lockruf I und II, sondern auch 4. Mutter der Bundessiegerstute Lossainen v. Louidor, die sich mit ihren beiden Söhnen Lossow und Lessen züchterisch in Szene zu setzen wusste.

Die Libelle-Tochter Liebchen v. Totilas begründete einen eigenen Zweig dieser Familie; sie ist die Urgroßmutter der Verbands- und Staatsprämienstute Livonne v. Hyalit, die mittlerweile auch den Elitetitel des Trakehner Verbandes trägt. Die doppelt prämierte Libell III ist eine Vollschwester zu Linné und inzwischen Mutter der verbandsprämierten Liaison v. Hohenstein sowie des L-Springpferdes Lindbergh Charles M v. Heraldik xx. Die Verbandsprämienstute Linn v. Friedensfürst gehört mittlerweile zur Riege der sportbetonten Zuchtstuten im bayerischen Gestüt St. Vitus und stellt in diesem Jahr einen Hibiskus-Sohn zur Körung in Neumünster.

Linné, der selbst in Geländepferdeprüfungen bis zur Klasse L erfolgreich vorgestellt wurde, überzeugt erst, wenn er sich mal richtig in Bewegung setzt – und mit seiner Nachzucht, was für einen Hengst schlussendlich ausschlaggebend ist. Mayong a.d. Maifee II v. Antares, gezogen auf Haus Kellen in Kleve von Peter Verhorst, wurde 2005 in Wickrath gekört und macht mit Erfolgen im Turniersport derzeit immer wieder auf sich aufmerksam. Er gehörte ganz aktuell zur Kollektion der Klosterhof-Auktion. Samarkand a.d. Sonnenfunke v. Argonaut stammt aus Linnés erstem Fohlenjahrgang und deckt im Gestüt seines Züchters Peter Verhorst, Kleve, als Hengstbuch-II-Hengst. Die ersten Kinder des Linné gehen bereits im Turniersport, jedoch sind noch keine mit Erfolgen ab Klasse L dabei.

65 Herzruf-Töchter wurden als Zuchtstuten eingetragen. Beim Trakehner Verband sind es runde 50, aber da Herzruf auch von Hannover, Westfalen, Rheinland und den Süddeutschen Verbänden anerkannt ist, gibt es dort auch Herzruf-Töchter in den Zuchtbüchern. Neun von ihnen dürfen sich Staatsprämienstuten nennen, sechs werden im FN-Leistungsstutbuch A geführt, eine in Abteilung C.

Herzrufs bisher bedeutendste Tochter dürfte die Elitestute Mon Bijou sein, die in so überzeugender Weise die 4. Trakehner Landesstutenschau in Rheinland-Pfalz/Saarland/Luxemburg 2003 gewann und zusammen mit ihrer Mutter Mille Fleurs v. Herzkönig und ihrer Tochter Mon Etoile de Soir v. Gribaldi auch die Siegerfamilie stellte. Ihr Münchhausen-Sohn Mon Baron ging im Prämienlot der Körung, ihr ebenfalls von Münchhausen stammender Sohn Mon Baron I war 6-jährig Trakehner Dressurpferdechampion und hat mittlerweile Erfolge im Dressursport bis Klasse M/A.

Zauberhexe, eine Tochter der bedeutenden Neversfelder Elitestute Zauberlicht v. Mahagoni, ging erfolgreich im Dressursport bis zur Klasse S und brachte 17-jährig ihr erstes Fohlen. Kandida IV, eine Vollschwester des Grand-Prix-Dressurpferdes Kevin, legte ihre Stutenleistungsprüfung mit der Wertnote 7,5 ab, wurde bei der Landesschau des Zuchtbezirks Westfalen 2000 mit dem Ic-Preis bedacht und ist Mutter von drei über die Eliteauktion in Neumünster verkauften Fohlen.

Die große, doppelt prämierte Naomi a.d. Nakita v. Giorgio Armani, u.a. in Jungpferdeprüfungen auf dem Bundesturnier hochplatziert und im GP-Programm des Verbandes, wird in diesem Jahr einen Interconti-Sohn auf dem Hengstmarkt zur Körung vorstellen. Auch ihre Vollschwester Nadja stellt einen Interconti-Sohn auf der diesjährigen Körung.

Im Bestand des Gestüts Sommerlade befand sich die hochbewertete, ebenfalls doppelt prämierte und jetzt 11-jährige Kielia a.d. Käthe Kruse v. Caprimond. Nadesh a.d. Nanette II v. Arogno war Klassensiegerin bei der Landesschau in Baden-Württemberg 2005.

133 Kinder des Herzruf wurden bisher in den FN-Listen als Turnierpferde registriert, die bis Ende 2006 insgesamt 87.625 € an Gewinngeldern erzielten. 28 Herzruf-Nachkommen liefen im Turnierjahr 2006 „im Geld“, fünf davon in der Dressur und einer im Springen bis zur Königsklasse S. Der bisher bekannteste (und erfolgreichste) „Herzruf“ im Sport ist Renate Gohr-Bimmels schwarzer Kevin a.d. Kanconette v. Flaneur, der bis zum Grand Prix erfolgreich ist. In seine Hufstapfen zielt mittlerweile Ulla Salzgebers neue Hoffnung für den großen Sport, Herzruf’s Erbe, ein achtjähriger rheinländischer Fuchshengst aus einer Caletto I-Mutter.

Der hessisch gebrannte Hitchcock geht erfolgreich bis Intermédiaire I. Der gekörte M.Real St. Payano hat unter der Finnin Terhi Stegars neben dem Landesmeistertitel auch knappe 7.500 € Gewinngelder bis zum Grand Prix gesammelt. Opal a.d. Oda v. Consul, Walisto a.d. Walensiana v. Ibn Mohafez und die inzwischen auch züchterisch eingesetzte Zauberhexe haben ebenfalls Erfolge in Dressuren bis Klasse S.

Goldeneye a.d. Giletta II v. Kaspar sowie Roxanne a.d. Raigun v. Enrico Caruso vertreten die Farben ihres Vaters Herzruf in schweren Springparcours. Auch „im Busch“ haben Herzrufs Kinder ein Wörtchen mitzureden: Der 1993 geborene Schimmel Rabenklau ist in Österreich unter Michaela Reichinger erfolgreich, in Deutschland geht Tiberius a.d. Tassilina v. Enrico Caruso bis Klasse M.


Text und ©: Karin Schweiger
Fotos: Hengsthalter

Mit freundlicher Genehmigung von www.trakehnerfreun.de

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